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    Der Völkermord an den Armeniern

    Հայոց Ցեղասպանութիւն 1915/1916
    Hajoz Zerrasbanutyun 1915/1916




    Unter osmanisch-türkischer Herrschaft

    Mit dem Vertrag von Diyarbekir (1639) endeten zwei Jahrhunderte türkisch-persischer Vormachtkämpfe um das Armenische Hochland. Neun Zehntel des armenischen Siedlungsgebiets standen nun unter osmanischer Herrschaft. Wie alle Nicht-Muslime behandelten die siegreichen Osmanen auch die Armenier als Staatsbürger zweiter Klasse: Sie mussten zahlreiche Sondersteuern zahlen, durften keine Waffen besitzen und mussten sich schon durch ihre Kleidung als Christen zu erkennen geben.


    Anfänge der Vernichtung

    Die im 19. Jahrhundert halbherzig und zögernd eingeführten Reformen, die unter anderem die Rechtsungleichheit der Nichtmuslime aufheben sollten, scheiterten am konservativen Widerstand und der zunehmend antichristlichen Stimmung. Denn den christlichen Untertanen des Sultans wurde die Schuld am Land- und Machtverlust des Osmanischen Reiches zugewiesen. Sie galten an der Wende zum 20. Jahrhundert als „innere Feinde“. Der deutsche Botschafter Hans von Wangenheim schrieb bereits am 24. Juni 1909: „Die Türken haben einen Ausrottungskrieg gegen die Christen des Reiches beschlossen…“.Zu größeren Massakern an der armenisch-osmanischen Bevölkerung war es während und nach dem russisch-türkischen krieg von 1877 gekommen, als kurdische Stammeskrieger und irreguläre osmanische Hilfstruppen in Van, Bitlis, Musch, Payazat (Bayezid) sowie Alaschkert zahlreiche armenische Dörfer plünderten und nieder brannten. Obdachlosigkeit und Verelendung, ständige kurdische Überfälle sowie eine Dürre im Jahr 1879 führten zu etwa 40.000 Opfern und einem Exodus von 200.000 Armeniern.


    Holocaust

    Abdul Hamid II (1878-1908)

    Unter der Herrschaft des despotischen Sultans Abdülhamit II. (1878-1908) kam es bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu seriellen Christenmassakern: auf Kreta (1895/96) und im armenischen Siedlungsgebiet (1894-96), wo die brutale Niederschlagung eines regionalen Aufstands armenischer Bauern zu landesweiten Armeniermassakern führte. Das armenisch-apostolische Patriarchat von Konstantinopel bezifferte Opfer der Blutbäder in Konstantinopel, Erzurum, Van, Urfa sowie an vielen anderen Orten sowie der nachfolgenden Hungersnöte und Seuchen mit 300.000. Die amerikanische Missionarin Corinna Shattuck bezeichnete die Lebendverbrennung von 3000 Armeniern in ihrer Kathedrale zu Urfa Ende 1895 als „Holocaust“ – ein Ausdruck, der von mehreren europäischen Publizisten in den kommenden Jahren zur Umschreibung der Massaker an der armenischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches verwendet wurde. Besonders in der Provinz Diyarbekir wurden auch Angehörige anderer christlicher Kirchen – insbesondere Aramäer/Assyrer – Opfer dieser Massaker.


    Der Entschluss zur Vernichtung

    Ein Militärputsch im Juli 1908 und die Absetzung Abdülhamits bewirkten keine wesentlichen Besserungen. Schon im April 1909 kam es in der Provinz Adana zu erneuten Massakern mit 30000 Opfern, wobei die regierenden Nationalisten („Jungtürken“) zumindest Mitschuld trugen. Auf den Jahresparteitagen 1910 und 1911 des Komitees für Einheit und Fortschritt (Ittihat ve Terraki Cemiyeti) beschlossen die Führer der Jungtürken, mit sprachlicher Assimilation und Zersiedelung dem Zerfall des Osmanischen Reiches Einhalt zu gebieten, nötigenfalls auch mit Gewalt und „militärischen Mitteln“. Weitere Landverluste des Osmanischen Reiches während der Balkankriege (1912/13) sowie die Vertreibung muslimischer Osmanen vom Balkan bestärkten die jungtürkischen Nationalisten in ihrer Entschlossenheit, das multireligiöse und multiethnische Osmanische Reich zu stärken, indem sie es in eine monoethnische „Türkei der Türken“ umwandelten.


    Massaker und Deportationen

    Ersten Massakern und Deportationen der griechisch-osmanischen Bevölkerung Thrakiens und Ioniens (Westanatolien) 1913-1914 folgten nach dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches an der Seite der Mittelmächte landesweite Massaker sowie die von der Regierung angeordnete Deportation der Armenier als angeblich „verdächtige Bevölkerung“. Die Zwangsumsiedlung in die wüstenartigen Gebiete Nordostsysriens erwies sich als Todesmarsch: Das Tempo und die Zahl der Rasten bestimmten die aus haftentlassenen Schwerverbrechern, Kurden sowie Massaker und Deportationskarte Angehörigen von einst selbst vertriebenen Ethnien zusammengesetzten Begleitmannschaften. Absichtlich führten sie die Deportierten Umwege oder solange im Kreise, bis diese erschöpft zusammenbrachen. Zahlreiche Überfälle, Plünderungen und Massaker der muslimischen Bevölkerung an den Deportierten wurden weder verhindert, noch bestraft. Botschafter Wangenheim schrieb, gestützt auf zahlreiche Berichte seiner Konsuln, am 7. Juli 1915 an den Reichskanzler: „(…) die Art, wie die Umsiedlung durchgeführt wird, zeigt, dass die Regierung tatsächlich den Zweck verfolgt, die armenischen Rasse im türkischen Reiche zu vernichten.“ (Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, PA-AA/R14086, zitiert nach der Ausgabe auf der Webseite Armenocide.de)


    Die zweite Phase der Vernichtung

    Aber Hunger, Durst, Erschöpfung und Seuchen taten ihr Werk nach dem Geschmack des jungtürkischen Kriegsregimes zu langsam. In einer zweiten Vernichtungsphase ermordeten Todesschwadronen ab Frühjahr bis zum Winter 1916 die Überlebenden in den mesopotamischen Konzentrationslagern entlang der Bagdadbahn.


    Gesamtzahl der Opfer

    Mitteilung der deutschen Botschaft in Konstantinopel 1916Die meisten Deportiertenkonvois kamen 1915 durch die nordsyrische Metropole Aleppo. Gestützt auf dortige Umfragen unter den Deportierten gelangte die deutsche Botschaft Konstantinopel schon Anfang Oktober 1916 zu folgender Schätzung der Gesamtzahl der Opfer : „(…) wenn man nun die Gesamtzahl der türkischen Armenier auf 2 ½ und die Zahl der Verschickten auf 2 Millionen veranschlagt und dasselbe Verhältnis zwischen Überlebenden und Umgekommenen wie bei den Waisen der Schwester Rohner annimmt, so gelangt man zu einer Zahl von über 1 ½ Millionen von Umgekommenen und rund 425000 Überlebenden. Die bisherigen Schätzungen der Umgekommenen bewegten sich zwischen 800.000 und 1 Million und scheinen nach vorstehendem nicht übertrieben.“
    Ausgehungertes armenisches KindWeitere Hunderttausende Armenier starben bei Massakern, an Seuchen und Entbehrungen infolge der türkischen Invasionen in den Transkaukasus (1918, 1920) und der in der Türkei so genannten Befreiungskriege 1920-1922, so dass die Gesamtzahl armenischer Opfer im Zeitraum 1915 bis zur Gründung der Republik Türkei etwa zwei Millionen beträgt. Und doch bildet die Vernichtung der Armenier nur eine Facette der Monoethnisierung des türkischen Herrschaftsgebiets. Rudolph J. Rummel, der Begründer der vergleichenden Genozidforschung, geht davon aus, dass „(…) zwischen 1900 und 1923 (…) verschiedene türkische Regime zwischen 3.500.000 bis über 4.300.000 Armenier, Griechen, Nestorianer und andere Christen getötet (haben)” (Rummel, R.J.: Statistics of Turkey’s Democide: Estimates, Calculations, and Sources. 6. Dezember 2000. Internet-Fundstelle: http://www.hri.org/docs/Democide/, S. 1 . In seinem Standardwerk Death by Government (1994; dt. Demozid – der befohlene Tod, 2004) gab Rummel die Gesamtzahl der Opfer „des armenischen und griechischen Genozids der Türkei“ mit 2.449.000 Millionen an, davon 2.102.000 Armenier, davon wiederum 1.487.000 armenische Opfer der Jungtürken und 614.000 Opfer der von Mustafa Kemal geführten „Nationalisten“. Das ökumenische Patriarchat zu Konstantinopel verzeichnete 750.000 griechische Opfer von Massakern und Todesmärschen unter den Jungtürken; gegenwärtige griechische Forscher nennen Gesamtopferzahlen im Zeitraum 1912-1923 von bis zu 1,5 Millionen (Vgl. Tsirkinidis, Harry: Der Völkermord an den Griechen Kleinasiens 1914-1923. In: Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich 1912-1922. Münster 2004, S. 172 f. ). Kirchliche Vertreter der syrischen Kirchen gingen bei der Pariser Friedenskonferenz (1919) von einer Viertelmillion aramäischsprachiger Opfer in den Jahren 1915-18 aus, während sich heutige Schätzungen auf eine halbe Million belaufen.


    Sekundäre Opfer des jungtürkischen Völkermords

    Billigend nahmen die Urheber und Organisatoren des Völkermords in Kauf, dass die Leichen der verachteten Christen unbeerdigt blieben, Flüsse, Zisternen und das Grundwasser verseuchten, so dass mindestens eine Million Muslime, die sich an den typhuskranken Deportierten und an dem verseuchten Trinkwasser infizierte, ebenfalls starb.


    Versagende Gerechtigkeit

    Im Unterschied zur griechisch-orthodoxen Bevölkerung des Osmanischen Reiches besaßen die Armenier keinen Schutzstaat. Die Vernichtungspolitik traf sie daher mit ungebremster Wucht und während eines Weltkrieges, als die Aufmerksamkeit der alliierten Kriegsgegner der Türkei durch den Kriegsverlauf in Europa in Anspruch genommen wurde. Zwar hatten Frankreich, Großbritannien und Russland am 24. Mai 1915 in einer gemeinsamen Note gegen die “neuerlichen Verbrechen gegen die Menschheit und Zivilisation“ protestiert und der osmanischen Regierung angedroht, sie nach Kriegsende dafür zur Verantwortung zu ziehen [mehr...], aber ein internationales Tribunal scheiterte an den Einzelinteressen der Alliierten. Zwar richtete die osmanische Regierung 1919 Militärische Sondergerichtshöfe ein, doch deren Prozesse gegen die Mitglieder des Kriegskabinetts und diverse regional Verantwortliche wurden in den meisten Fällen in Abwesenheit geführt. Die meisten Angeklagten hatten sich noch vor der offiziellen Kriegskapitulation ins Ausland flüchten können, hauptsächlich nach Deutschland. Zweifach lehnte das deutsche Außenministerium die Auslieferung Talat Paşas ab, der als Innenminister neben dem Kriegsminister Enver Hauptverantwortung für die Vernichtung der Armenier trägt. 1921 und 1922 erschossen darum armenische Rächer in Konstantinopel, Berlin und Tbilissi die verurteilten, doch landesflüchtigen Hauptverantwortlichen Talat, Enver, Bahaeddin Şakir, Cemal Azmi und andere. In Berlin und Konstantinopel wurden zwei armenische Attentäter – Soromon Tehlerjan sowie Missak Torlakjan – gerichtlich wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen.


    Prototypus der UN-Völkermordkonvention

    Raphael Lemkin Die Strafprozesse gegen die Attentäter Tehlerjan und Torlakjan berührten den polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin (1900-1959) stark. Lemkin fragte seinen Jura-Professor, warum die Armenier nicht selbst Talat Paşa festgenommen und vor Gericht gestellt hatten. Sein Hochschullehrer erklärte, dass es kein entsprechendes Gesetz gebe, nach dem der jungtürkische Innenminister hätte angeklagt werden können: „Vergleichen Sie den Fall mit einem Bauern, der Hühner besitzt. Wenn er sie tötet, ist das seine Sache. Falls Sie sich einmischen, begehen Sie Hausfriedensbruch.“ Lemkin erwiderte empört: „Ist es denn für Tehlerjan ein Verbrechen, einen Mann zu töten, aber kein Verbrechen für seinen Unterdrücker, falls er über eine Million Menschen tötet (Zitiert nach: Crimes Against Humanity and Civilization: The Genocide of the Armenians. Brookline , Mass. : Facing History and Ourselves (2004), S. 184)?” Dieser Widerspruch beschäftigte Lemkin lebenslang. Als öffentlicher Ankläger in Warschau referierte er 1933 in Madrid auf der 5. Konferenz Völkerbundes zur Vereinheitlichung des Strafrechts und rief vergeblich dazu auf, dass die “Vernichtung nationaler, religiöser und rassischer Gruppen” genauso zu einem internationalen Verbrechen erklärt werden sollte wie Piraterie, Sklaverei und Schmuggel. Die Delegation aus Nazideutschland lachte über seinen Vorschlag [mehr...]. Erst nach einem weiteren Weltkrieg und einem weiteren Völkermord, diesmal an den Juden Europas begangen, konnte sich Lemkins Vorschlag in der Nachfolgeorganisation des Völkerbundes durchsetzen: 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen Lemkins Entwurf einer internationalen „Konvention zur Bestrafung und Verhütung von Genozid“.


    Anerkennung und Leugnung von Völkermord

    Im Unterschied zum osmanischen Vorgängerstaat hat die Republik Türkei niemals den Völkermord an den Armeniern als historische Tatsache anerkannt. Die von den osmanischen Militärgerichtshöfen Verurteilten wurden rehabilitiert, die Familien der wenigen, die für die Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden konnten, erhielten üppige Staatsrenten und galten als nationale Märtyrer und Helden des Unabhängigkeitskampfes. Talat und Enver ruhen heute in Ehrengräbern auf dem Istanbuler Freiheitshügel. Nach offizieller türkischer Geschichtsauslegung musste die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches wegen ihrer Illoyalität zwangsumgesiedelt werden, jedoch sei damit keine Vernichtungsabsicht verbunden gewesen.

    Den Nachfahren der Opfer verursacht diese anhaltende Weigerung zur Anerkennung historischer Tatsachen Schmerz und Empörung. Zu Recht gilt in der Völkermordforschung die Leugnung als letzte und integrale Etappe des Verbrechens selbst, als „zweite Tötung“ (Elie Wiesel). In der Türkei wird bis heute die öffentliche Darstellung der Wahrheit strafrechtlich verfolgt, unter anderem mit den notorischen Strafrechtsparagraphen 301 („Schmähung des Türkentums“) und 305. Der armenisch-türkische Publizist Hrant Dink, der es als erster Türkei-Armenier wagte, in seinen Artikeln den Völkermord zu thematisieren, hat diese Zivilcourage mit dem Leben bezahlt: Ein bezahlter jugendlicher Fememörder erschoss Hrant Dink am 19. Januar 2007 vor dem Büro der Zeitung „Akos“ in Istanbul, nachdem Dink 2006 nach § 301 verurteilt worden war. Trotz internationaler Proteste gegen die Aufrechterhaltung des § 301 wird das Verfahren gegen Dinks Mitangeklagte – seinen Sohn Arat sowie seinen Mitinhaber Serkis Seropjan – in Istanbul fortgesetzt; die Anklage beantragte am 11.06.2007 jeweils bis zu drei Jahre Haft.

    Die Weigerung der Regierung, des Gesetzgebers und weiter Teile der Gesellschaft der Türkei haben die Aufarbeitung des Völkermordes an den Armeniern internationalisiert. Diverse internationale Gremien und 20 nationale Gesetzgeber haben in förmlichen Beschlüssen oder Stellungnahmen den Völkermord an den Armeniern als historische Tatsache entsprechend der UN-Konvention anerkannt:

    Argentinien Argentinien (Senat, 05.05.1993, Gesetz 18.03.2004)
    Belgien Belgien (26.03.1998)
    Deutschland Deutschland (Bundestag, 16.06.2005)(26.03.1998)
    Frankreich Frankreich (Nationalversammlung, 28.05.1998, Senat, 07.11.2000, vom Präsidenten unterzeichnetes Gesetz, 29.01.2001)
    Griechenland Griechenland (Parlament, 24.04.1996)
    Italien Italien (Abgeordnetenkammer, 16.11.2000)
    Kanada Kanada (House of Commons, 23.04.1996 und 21.04.2004, Senat, 13.06.2002)
    Libanon Libanon (Abgeordnetenkammer, 03.04.1997, Parlament, 11.05.2000)
    Litauen Litauen (Parlament, 16.12.2005)
    Niederlande Niederlande (Parlament, 21.12.2004)
    Polen Polen (Parlament, 19.04.2005)
    Russland Russland (Staatsduma, 14.04.1995)
    Schweden Schweden (Parlament, 29.03.2000)
    Schweiz Schweiz (Nationalrat, 16. Dezember 2003)
    Slowakei Slowakei (Parlament, 30.11.2004)
    Uruguay Uruguay (Senat und Repräsentantenhaus, 20.04.1965; Gesetz 26.03.2004)
    USA USA (Repräsentantenhaus, 09.04.1975)
    Vatikan Vatikan Stadt (10.11.2000)
    Venezuela Venezuela (Nationalversammlung, 14.07.2005)
    Zypern Zypern (Repräsentantenhaus, 29.04.1982)

    Diese Karte stellt die „Anerkennerstaaten“ einschließlich jener Bundesstaaten (USA, Australien) dar, in denen zumindest einige Bundesländer Anerkennungsbeschlüsse gefasst haben:
    Weltkarte der Anerkennerstaaten


    Die deutsche Dimension

    Deutschland war im Ersten Weltkrieg der wichtigste Militärverbündete des Osmanischen Reiches und übte über eine Militärmission erheblichen Einfluss auch auf die osmanische Heeresleitung aus. Die für die deutsche Außen- und Militärpolitik Verantwortlichen stellten die Aufrechterhaltung ungetrübter türkisch-deutscher Beziehung über alle andere Gesichtspunkte und ethischen Grundsätze. So nahm Deutschland nicht nur billigend in Kauf, dass sein Verbündeter vor den Augen deutscher Diplomaten und zahlreicher im Osmanischen Reich beruflich tätiger Deutscher die christliche Bevölkerung ausrottete, sondern einzelne hochrangige deutsche Militärs wurden unmittelbar mitschuldig an der Vernichtung der Armenier. Beim Bau der Bagdadbahn, einem ambitionierten Wirtschafts- und Militärvorhaben Deutschlands im Osmanischen Reich, wurden Tausende armenischer Zwangsarbeiter eingesetzt. Bis heute verweigern die Deutsche und die Dresdener Bank als Nachfolgerinnen von deutschen Kreditinstituten, die im Osmanischen Reich ansässig waren, die Rückgabe von Einlagen, die ermordete Armenier bei diesen Banken getätigt hatten.Armenische Zwangsarbeiter beim Strassenbau

    Deutschland zählt zu den „Anerkennerstaaten“. Der Deutsche Bundestag hat am 16. Juni 2005 mit seinem einstimmig verabschiedeten Beschluss „Erinnerung und Gedenken an die Vertrei-bungen und Massaker an den Armeniern 1915 – Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen“ (Bundestag Resolution) (Drucksache 15/5689) den Völkermord zwar implizit anerkannt und sich zur Mitverantwortung bekannt, ist aber der expliziten Verwendung des Wortes „Völkermord“ ausgewichen. Für Armenier ist dies zutiefst unbefriedigend.

    Als armenische Christen, die in Berlin ansässig sind, erwarten wir:

    - eine vollständige bzw. explizite Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern
    - einen würdigen Gedenkort im Zentrum Berlins, wo wir gemeinsam mit Angehörigen der beiden anderen christlichen Opfergruppen – der Aramäer/Assyrer sowie der kleinasiatischen Griechen – unserer Toten gedenken können!


    Ein weltweiter Gedenktag: der 24. April

    Der armenische Dichter Siamanto 1878-1915Mit Massenfestnahmen in der Nacht zum 24. April 1915 (alten Stils bzw. julianischen Kalenders) setzte in der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel die Ausschaltung und Vernichtung der intellektuellen und politischen Elite der Armenier ein: Etwa drei Tage lang wurden Schriftsteller und Publizistischen, Pädagogen und Banker, Gelehrte, Kaufleute und Parlamentsabgeordnete, Künstler und Musiker festgenommen, ins Zentralgefängnis gebracht und von dort mit der Bahn in die Kleinstadt Çankiri oder in das Dorf Ayaş, beide in der Provinz Angora (Ankara) befördert. Nach offiziellen osmanischen Angaben handelte es sich um insgesamt 2345 Personen.

    Der armenische Dichter Daniel Varuschan 1884-1915Auch wenn dort gerichtliche Untersuchungen keine Schuldbeweise für Hochverrat erbrachten, starben viele der Verschleppten unter der Folter oder wurden zu weiteren, noch brutaleren Untersuchungen nach Diyarbekir geschickt, in den Amtsbereich des wegen seines Armenierhasses berüchtigten Gouverneurs Dr. med. Mehmet Reşid Şahingiray. Vom 21. April bis 19. Mai 1915 folgte landesweit die Festnahme der übrigen intellektuellen und politischen Führer, oft bis zu 500 Personen in größeren Städten. Viele wurden in den überfüllten Gefängnissen so oft und brutal gefoltert, dass die Behörden Militärkapellen einsetzten, um die Schreie zu übertönen. Nur sehr wenige überlebten, Der armenische Geistliche Komitas Wartabed 1869-1935darunter der international bekannte Komponist und Geistliche Komitas (Soromon Soromonjan, 1869-1935), der aber unter dem Eindruck der Gräuel, deren Zeuge er wurde, sein seelisches Gleichgewicht und seine Schaffenskraft einbüßte.

    Der 24. April ist der größte Trauertag im armenischen Jahr. An diesem Tag erlaubt die Armenisch-Apostolische Kirche keine Taufen und Eheschließungen. Weltweit halten armenische Gemeinden Totenmessen und Gedenkveranstaltungen ab. In der Republik Armenien begeben sich bis zu eine Million Einwohner Jerewans zu Fuß auf den Hügel Zizernakaberd („Schwalbenfestung“), auf dem 1967 ein eindrucksvolles Mahnmal für die Opfer des Völkermordes errichtet wurde. Sie legen Blumen vor der Ewigen Flamme nieder und verbeugen sich vor den Toten im stillen Gedenken.

    Tzitzernakaberd  (Schwalbennest)

    © Fr. Dr. Tessa Hofmann, Berlin 2007

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