Konzert von Sona Talian in b-flat am 17.03.

b-flat Acoustic Music & Jazzclub
(Rosenthaler Str. 13, 10119 Berlin-Mitte www.b-flat-berlin.de )

Präsentiert am Do. 17.03.2011 um 21:00 Uhr
KONZERT DES MONATS
SONA TALIAN / Armenien Solo Piano und
CD Vorstellung “Raindrops” (Modern Klassik, Weltmusik, Jazz )

Moderation – Robert Weippert, Sona Talian Solo (Piano)
Europäische und Armenische Klassik. J.S.Bach, Komitas und eigene Werke.

Sona Talian, geboren in Moskau, entstammt einer tradi-tionellen armenischen Musikerdynastie und ist in Eriwan aufgewachsen. Das Thema von Tschaikowskys „Klavierkonzert Nr. 1 b-moll“ spielte sie bereits mit vier Jahren nach Gehör und mit beiden Händen nach. Mit sechs begann ihre musikalische Ausbildung, früh schrieb sie erste eigene kleine Klavierkompositionen. Die Mutter war Ballett-Tänzerin, Sona wuchs hinter den Kulissen auf, zuhause gab es Soirées. Überall war Musik. Aber nicht nur Bach und Mozart spielten eine Rolle in ihrer Jugend. Sie hörte auch die Beatles. Später begeisterte sie sich für Sänger mit Seele: Stevie Wonder, Al Jarreau, Bobby McFerrin. Und hörte dann die Jazz-Pianisten Keith Jarrett und Herbie Hancock. Ihre Neugier machte aber auch vor Pink Floyd und Deep Purple nicht halt. Auch diese Phänomene wollte sie ergründen und verstehen. „Für mich gab es immer nur gute oder schlechte Musik“, betont sie. Und das gilt noch heute. Aber besonders wichtig für ihre musikalische Sozialisation und ihr Selbstverständnis heute war ein altes, handgeschriebenes Büchlein vom Großvater. Der war nicht nur als Opernsänger erfolgreich, sondern hatte auch ein eigenes Theater und sammelte – einer Tradition verpflichtet, die bis zurück in die Zeit armenischer Troubadoure und wandernder Sänger reicht – alte Volkslieder. Auch die wurden Teil des reichen, musikalischen Vokabulars von Sona Talian, was die Kompositionen ihres Debütalbums„Raindrops“ so besonders macht. „Hars em gnum“ (Ich werde zur Braut) ist eine für die Musikerin typische Interpretation eines Volksliedes. Ihr „Traditional“ ist eine Miniatur über Themen aus der erwähnten Sammlung. Der „Valse Oubliées“ dagegen erinnert eher an Chopin, „When I Saw“ könnte aus dem „American Songbook“ stammen.

Sona Talians Piano Solo-Stil überzeugt aber nicht nur durch das gleichberechtigte Miteinander von Klassik, Jazz und Folksongs, sondern auch durch seine Dynamik und immer wieder überraschenden Wendungen in Themen-, Tempi- und Farbenwechseln.

Zwischen lyrischen und leidenschaftlichen Passagen changiert die Pianistin, harmonische Klarheit stellt sie melodischen Ausschmückungen gegenüber, fließende, wiegende Bewegungen wechseln mit akzentuierten Rhythmen, Naturbeschreibungen wie „Kanche“ (Der Ruf) mit springenden Quellen und rauschenden Bächen stehen im Kontrast zu Filmmusik zu einer imaginären, noch nicht gelebten Liebesgeschichte („Eternal“). 1990 reiste Sona Talian mit der großen Schwester nach Deutschland. Sie spricht heute von einer schicksalhaften Fügung. „Eine Kraft hat mich geführt.“ Beim Besuch einer Freundin in Detmold überredete man sie dazu, kurz vor Anmeldeschluss auch ein Formular für die Aufnahmeprüfung an der dortigen Musikhochschule auszufüllen. Sie wurde angenommen, begann ihr Studium, das sie an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main fortsetzte und als Pianistin mit Auszeichnung abschloss. Frankfurt ist seitdem ihre geliebte Wahlheimat. Von hier aus bereist sie Deutschland und die Nachbarländer mit klassischem Repertoire und natürlich dem „Raindrops“-Programm mit eigenen Kompositionen kombiniert mit Werken armenischer Komponisten. Wer Sona Talians Musik als Crossover begreifen möchte, dem sei versichert, dass es sich bei ihr nicht um die vorher ausgedachte und künstlich herbeigeführte Verschmelzung verschiedener Geres und Gattungen geht, sondern um gelebte Geschichte, ihre eigene wie die ihres Volkes. Denn Armenien, das Land am Kaukasus, befindet sich auf der Grenzlinie zweier Kulturen und was die Musik betrifft, so lebt diese von den Besonderheiten westlicher wie östlicher Traditionen.

Orient und Okzident, hier erleben wir sie als ein homogenes Miteinander, so wie in der Musik von Sona Talian, in der die Komponistin und Pianistin in mehrfacher Hinsicht Grenzen überwindet. Darüber hinaus sind ihre „Raindrops“ (kein Tropfen ist wie der andere, zusammen ergeben sie aber ein Ganzes) eine Hommage an das unendliche Leben, das Individuum und das Eins-Werden mit der Welt. „Vom Tropfen zum Meer, vom Meer zum Tropfen – ewig ist dieser Kreislauf. Und wie auch der Tropfen ist unser Leben nicht ewig. Und wie auch das Meer ist unser Leben unendlich…“

Die Pianistin und Komponistin Sona Talian stellt bei uns ihre neu erschiene CD mit dem meditativen Titel „Raindrops“ – eine Hommage an das unendliche Leben – vor. Im Konzertprogramm erklingen unter anderm Werke von J.S. Bach, Komitas, S. Talian.
Sona Talian “Raindrops”, erhältlich bei www.hay-media.de / www.sonatalian.com

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